Kennzeichnung von Ersatzteilen aus Gusseisen: eigene Nummer, klare Herkunft

Bei nachgefertigten Ersatzteilen aus Gusseisen kommen zwei Fragen zusammen, die im Neuteilgeschäft getrennt sind: Wie wird das Teil technisch gekennzeichnet, und welche Angaben dürfen überhaupt darauf stehen. Wer die Originalkennzeichnung mitgiesst, spart Aufwand und handelt sich ein rechtliches Problem ein. Diese Seite trennt beides.

8 Min. Lesezeit · Für Ersatzteilhandel und Instandhaltung · Stand: 27.08.2026

Werkstoffkurzzeichen gehören auf das Teil

Gusseisen ist nicht gleich Gusseisen. Zwischen Gusseisen mit Lamellengraphit und Gusseisen mit Kugelgraphit liegen Welten in Zugfestigkeit und Bruchdehnung, und beide Gruppen kennen mehrere Sorten. Für die Instandhaltung ist die Werkstoffangabe am Teil deshalb kein Schmuck, sondern die Voraussetzung dafür, dass beim nächsten Austausch die richtige Sorte bestellt wird.

In der Praxis wird das Werkstoffkurzzeichen modellgebunden angegossen, weil es sich für ein Modell nicht ändert. Die chargenbezogenen Angaben kommen wie bei allen Gussteilen nach dem Guss dazu.

RegelwerkWelche Angaben verlangt werden, ergibt sich aus der Bestellspezifikation in Verbindung mit DIN EN 1559-1. Bei tragenden Bauteilen können zusätzliche Anforderungen gelten — für Gusseisen mit Kugelgraphit in Fahrzeuganwendungen etwa die Richtlinien des Kraftfahrt-Bundesamtes.

Die OE-Nummer gehört nicht auf das Nachbauteil

Wer ein Ersatzteil nachfertigen lässt, bekommt vom Werk oft den Vorschlag, das Originalteil einfach vollständig zu kopieren — einschliesslich der aufgegossenen Nummern und Herstellerzeichen. Technisch ist das der einfachste Weg, weil das Originalteil als Modellvorlage dient.

Rechtlich ist es der Weg in ein Problem. Herstellerzeichen und Logos sind regelmässig markenrechtlich geschützt; das unveränderte Übernehmen kann eine Markenverletzung darstellen. Unabhängig davon führt es in der Instandhaltung zu Verwechslungen, weil sich Original und Nachbau später nicht mehr unterscheiden lassen.

Der saubere Weg ist die eigene Teilenummer auf dem Teil, ergänzt um einen Verweis auf die Vergleichsnummer in Katalog und Papieren statt auf dem Bauteil. Wie das im Einzelfall auszugestalten ist, ist eine markenrechtliche Frage und gehört anwaltlich geprüft.

Vor dem Modellbau klärenWird das Originalteil als Modellvorlage verwendet, sind die zu entfernenden Kennzeichen vor dem Modellbau festzulegen. Nachträglich aus einem fertigen Modell ein aufgegossenes Herstellerzeichen zu entfernen, bedeutet eine Modelländerung.

Rückverfolgbarkeit bei Kleinserien

Ersatzteile werden häufig in kleinen Losen gefertigt, teils über Jahre verteilt. Gerade dann ist der Chargenbezug wertvoll: Tritt Jahre später ein Schadensfall auf, entscheidet die Kennzeichnung darüber, ob sich eingrenzen lässt, welche Lieferung betroffen war.

Praktisch heisst das, dass auch bei zwanzig Stück eine Chargennummer auf das Teil gehört und in den Lieferpapieren dokumentiert wird. Der Aufwand dafür ist gering; ohne ihn ist im Schadensfall die gesamte Lieferhistorie betroffen statt einer Charge.

Praxishinweis von China SendBei Ersatzteil-Nachfertigungen legen wir die Kennzeichnung zusammen mit dem Modell fest: eigene Teilenummer und Werkstoffkurzzeichen angegossen, Chargennummer nachträglich aufgebracht, Vergleichsnummer nur in den Papieren. Das kostet beim ersten Mal eine Abstimmung und erspart später die Diskussion, welches Teil aus welcher Lieferung stammt.

Prüfpunkte vor der Nachfertigung

Die folgende Liste deckt die Punkte ab, die bei Gusseisen-Ersatzteilen regelmässig zu Nacharbeit oder Streit führen.

  • Werkstoffsorte bestimmt und im Kennzeichnungsfeld vorgesehen.
  • Eigene Teilenummer festgelegt; Original-Herstellerzeichen aus der Modellvorlage entfernt.
  • Markenrechtliche Zulässigkeit der geplanten Kennzeichnung geprüft.
  • Chargenkennzeichnung auch für Kleinserien vorgesehen.
  • Prüfbescheinigung festgelegt und zur Kennzeichnung passend.
  • Bei tragenden oder sicherheitsrelevanten Bauteilen: zusätzliche Regelwerksanforderungen geklärt.
  • Position der Kennzeichnung so gewählt, dass sie die Einbausituation nicht stört.

Häufige Fragen zu Gusseisen-Ersatzteilen

Darf ich die Originalnummer auf das Nachbauteil giessen?

Herstellerzeichen und Logos sind regelmässig markenrechtlich geschützt; ihre unveränderte Übernahme kann eine Markenverletzung darstellen. Üblich und sicherer ist eine eigene Teilenummer auf dem Bauteil und ein Verweis auf die Vergleichsnummer in Katalog und Papieren. Die Beurteilung im Einzelfall ist eine Rechtsfrage.

Welches Werkstoffkurzzeichen gehört auf das Teil?

Das der tatsächlich verwendeten Sorte. Bei Gusseisen ist die Unterscheidung zwischen Lamellen- und Kugelgraphit sowie zwischen den einzelnen Sorten entscheidend für die mechanischen Eigenschaften; ohne Angabe am Teil wird bei der nächsten Bestellung geraten.

Braucht ein Kleinserienteil eine Chargennummer?

Sie ist nicht in jedem Fall vorgeschrieben, aber praktisch wertvoll: Ohne Chargenbezug lässt sich im Schadensfall nicht eingrenzen, welche Lieferung betroffen ist. Der Aufwand ist gering, der Nutzen im Ernstfall gross.

Was gilt bei tragenden Bauteilen?

Dort können über die allgemeinen Lieferbedingungen hinaus zusätzliche Anforderungen an Werkstoffnachweis, Prüfung und Kennzeichnung gelten — im Fahrzeugbereich etwa nach den Richtlinien des Kraftfahrt-Bundesamtes für tragende Bauteile aus Gusseisen mit Kugelgraphit. Der anwendbare Rahmen ist vor der Beschaffung zu klären.

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Redaktioneller HinweisDieser Beitrag beschreibt die in der Gießerei- und Beschaffungspraxis üblichen Kennzeichnungsverfahren und benennt die einschlägigen Regelwerke. DIN-Normen und VDG-Merkblätter sind kostenpflichtig und urheberrechtlich geschützt; ihr Wortlaut wird hier nicht wiedergegeben. Verbindlich ist immer der jeweils gültige Normenstand in Verbindung mit Ihrer Bestellspezifikation und, bei sicherheitsrelevanten Bauteilen, dem anwendbaren Regelwerk. China Send ist keine Prüfstelle und stellt keine Werkszeugnisse aus.Aktualisierungen dieses Beitrags27.08.2026 — Ersterstellung anhand der Regelwerkslage zu DIN EN 1559-1, VDG-Merkblatt P 701 und DIN EN 10204 sowie der Beschaffungspraxis bei Gussteilen aus China.

Ersatzteil nachfertigen lassen — mit sauberer Kennzeichnung

Wir legen Werkstoff, Teilenummer und Chargenkennzeichnung vor dem Modellbau fest, sorgen dafür, dass fremde Herstellerzeichen nicht mitkopiert werden, und dokumentieren den Chargenbezug je Lieferung.