Digitaler Produktpass: welche Produktgruppe wann tatsächlich dran ist
Die Jahreszahlen aus dem ESPR-Arbeitsplan werden fast überall als Geltungsdaten wiedergegeben. Sie sind aber Annahmejahre für den jeweiligen Rechtsakt. Zwischen Annahme und Geltung liegen nach Artikel 4 Absatz 4 ESPR grundsätzlich mindestens 18 Monate. Diese Seite rechnet beide Angaben nebeneinander auf und nennt für jede Produktgruppe den heutigen Stand.
8 Min. Lesezeit · Für Sortiments- und Einkaufsplanung · Stand: 24.08.2026
Warum die verbreiteten Jahreszahlen nicht die Fristen sind
Der Arbeitsplan 2025–2030 wurde am 16. April 2025 angenommen. Er legt fest, in welcher Reihenfolge die Kommission Produktgruppen bearbeitet, und nennt dafür indikative Jahre. Diese Jahre beziehen sich auf die Annahme des delegierten Rechtsakts.
Erst dieser Rechtsakt legt fest, welche Ökodesign-Anforderungen gelten und welche Angaben ein Produktpass enthalten muss. Und erst mit seinem Geltungsbeginn entsteht eine Pflicht — frühestens 18 Monate nach Inkrafttreten.
Produktgruppen im Überblick
Die dritte Spalte ist eine Rechnung, kein Rechtsstand: Annahmejahr plus die Mindestfrist. Das tatsächliche Datum steht erst im Rechtsakt selbst und kann später liegen.
| Produktgruppe | Annahme geplant | Frühestens gültig | Stand heute |
|---|---|---|---|
| Eisen und Stahl | 2026, viertes Quartal angekündigt | etwa Mitte 2028 | Konsultation bis 12.08.2026 gelaufen; Rechtsakt nicht erlassen |
| Textilien und Bekleidung | 2027 | etwa 2029 | Vorarbeiten und Folgenabschätzung laufen |
| Reifen | 2027 | etwa 2029 | Rechtsakt nicht erlassen |
| Aluminium | 2027 | etwa 2029 | Rechtsakt nicht erlassen |
| Möbel | 2028 | etwa 2030 | Rechtsakt nicht erlassen |
| Matratzen | 2029 | etwa 2031 | Rechtsakt nicht erlassen |
| ICT-Produkte | 2029 | etwa 2031 | Rechtsakt nicht erlassen |
| Energieverbrauchsrelevante Produkte | 2026 bis 2029, gestaffelt | je Rechtsakt unterschiedlich | Teilweise noch unter dem alten Ökodesign-Regime |
Was das für die Sortimentsplanung heißt
Für Sortimente mit kurzen Lebenszyklen — Mode, Deko, Saisonware — ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die heute eingekaufte Ware nie unter eine Produktpass-Pflicht fällt. Für langlebige Produkte mit stabilen Artikelstämmen ist das anders: Wer 2026 ein Möbelprogramm auflegt, das 2031 noch läuft, plant besser mit.
Die zweite Größe ist das Werkzeug. Druck- und Etikettenwerkzeuge, die heute bezahlt werden, sollten Fläche für einen Datenträger vorsehen. Das kostet in der Planung fast nichts und später eine Neuauflage.
Häufige Fragen zu den DPP-Fristen
Gilt der Produktpass für Stahl ab 2026?
Nein. Für Eisen und Stahl ist die Annahme des delegierten Rechtsakts für 2026 angekündigt. Mit der Mindestfrist von 18 Monaten liegt der frühestmögliche Geltungsbeginn etwa in der Mitte des Jahres 2028. Das genaue Datum steht erst im Rechtsakt.
Gibt es schon einen erlassenen Rechtsakt mit Produktpass-Anforderungen?
Für keine der genannten Produktgruppen. Der einzige bislang unter der ESPR angenommene delegierte Rechtsakt betrifft Ausnahmen vom Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien und Schuhe und regelt keine Produktpass-Anforderungen.
Kann sich der Zeitplan noch verschieben?
Ja, in beide Richtungen. Die Jahresangaben im Arbeitsplan sind indikativ. Für 2028 ist zudem eine Zwischenbewertung des Arbeitsplans vorgesehen.
Warum wird der Batteriepass oft in dieselbe Tabelle geschrieben?
Weil er inhaltlich ein Produktpass ist. Rechtlich stammt er aber aus der Batterieverordnung und nicht aus der ESPR, hat einen eigenen Anwendungsbeginn und eigene Datenanforderungen. Eine gemeinsame Fristenliste führt deshalb regelmäßig zu falschen Schlüssen.
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Offizielle Quellen
Der Stand ändert sich mit jedem erlassenen Rechtsakt. Die Umsetzungsseite der Kommission ist die Stelle, an der sich das zuerst zeigt.
Produktdaten vorbereiten, bevor die Frist steht
Materialangaben, Modellnummern und Nachweise lassen sich nur vor Serienstart günstig beschaffen. Wir holen sie im Werk ein und prüfen sie auf Vollständigkeit.