Brauche ich für den digitalen Produktpass eine EAN oder GTIN?
Diese Frage kommt fast immer, sobald „eindeutige Produktkennung" fällt — und sie wird häufig mit einem schnellen Ja beantwortet, meist von Anbietern, die Nummern verkaufen. Die belastbare Antwort ist zurückhaltender: Welcher Identifikator zulässig oder gefordert ist, legt der jeweilige delegierte Rechtsakt fest, und für die meisten Produktgruppen existiert dieser noch nicht.
6 Min. Lesezeit · Für Eigenmarken und Onlinehandel · Stand: 24.08.2026
Was die ESPR verlangt — und was nicht
Die ESPR verlangt eine eindeutige Produktkennung. Sie schreibt kein bestimmtes Nummernsystem vor. Ob eine GTIN, eine andere international anerkannte Kennung oder ein eigenes Schema zulässig ist, entscheidet der Rechtsakt für die Produktgruppe.
Eine GTIN hat als Kandidat Vorteile: Sie ist etabliert, sie ist eindeutig, und viele Handelsprozesse setzen sie ohnehin voraus. Daraus folgt aber keine rechtliche Pflicht, für Produkte ohne GTIN eine zu erwerben.
Die Verwechslung mit der zollrechtlichen Produktkennung
Seit dem 1. November 2026 verlangt das Zollrecht bei Fernverkäufen eingeführter Waren Produktkennungen in der Zollanmeldung. Auch dort geht es um Identifikatoren, auch dort taucht die GTIN auf — und auch dort gilt: Wenn keine standardisierte Kennung existiert, gibt es dafür einen eigenen Code.
Beide Regelwerke laufen nebeneinander. Wer sie zusammenwirft, kommt zu dem Schluss, ohne EAN sei bald nichts mehr importierbar. Das ist in beiden Rechtsgebieten falsch.
Was praktisch zu tun ist
Legen Sie je Variante eine eindeutige, dauerhafte interne Produkt-ID fest, unabhängig davon, ob sie GS1-basiert ist. Diese ID ist die Grundlage, auf die sich später jede Kennungsanforderung abbilden lässt.
Wenn Ihre Vertriebswege ohnehin GTINs verlangen — Handel, Marktplätze — haben Sie das Thema erledigt. Wenn nicht, gibt es derzeit keinen produktpassbedingten Grund, welche zu kaufen.
Häufige Fragen zu GTIN und Produktpass
Muss ich für jedes Produkt eine GTIN kaufen?
Aus dem Produktpass-Recht folgt das derzeit nicht. Welcher Identifikator gefordert ist, legt der delegierte Rechtsakt der Produktgruppe fest, und für die priorisierten Gruppen ist keiner erlassen.
Kann meine SKU die eindeutige Produktkennung sein?
Möglicherweise, wenn sie eindeutig und dauerhaft ist und der Rechtsakt kein bestimmtes System vorschreibt. Verlassen sollte man sich darauf erst, wenn der Rechtsakt vorliegt.
Ist das dieselbe Frage wie bei der zollrechtlichen Produktkennung?
Nein, aber die Antwort ähnelt sich: Auch dort besteht keine allgemeine Pflicht, eine EAN zu erwerben. Die beiden Regelwerke sind getrennt zu erfüllen.
Was mache ich mit Produkten ohne jede standardisierte Kennung?
Zunächst eine eigene, stabile interne ID vergeben und dokumentieren, dass keine standardisierte Kennung existiert. Wie damit umzugehen ist, regelt der jeweilige Rechtsakt.
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Offizielle Quellen
Verbindlich ist der jeweilige delegierte Rechtsakt. Für die zollrechtliche Seite gilt ein eigenes Regelwerk.
Produktstammdaten sauber aufsetzen
Eine belastbare Produkt-ID je Variante ist die Grundlage für Produktpass, Zollangaben und Marktplatzpflege. Wir helfen beim Aufbau und holen die fehlenden Werksangaben ein.